Samstag, 3. September 2016

Grenzen verschieben sich

Meine Grenzen haben sich während des Krankheitsverlaufes massiv verschoben.

Als die Sprache nachliess, unverständlicher wurde, war ich überzeugt, ohne gesprochene Sprache kann ich nicht leben. Jetzt lebe ich bald zwei Jahre ohne Lautsprache und kommuniziere mittels Elektronik.

Magensonde kommt nicht in Frage, sagte ich. Und nun ernähre ich mich seit bald 18 Monaten nur noch über die Sonde. Natürlich wünsche ich, dass ich noch essen und trinken könnte.

Jetzt wo die Extremitäten immer schwächer werden, haben wir den Treppenlift einbauen lassen. Sogar einem Rollstuhl hab ich zugestimmt für Spaziergänge, da ich mich zunehmend unsicher auf den Beinen fühle.

Warum verschieben sich die Grenzen so stark? Wieso nehme ich soviel in Kauf?

Egibt für mich nur eine Antwort:
Ich bin mit den Herausforderungen der Krankheit gewachsen.
Es gibt weiterhin schöne Seiten die lebenswert sind.
Auch mit ALS.

Nach der Woche in Locarno, stellte ich fest, dass ich kaum mehr aus normalen Stühlen aufstehen kann. Ich war im Moment verzweifelt, noch mehr auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein. Noch ein schmerzhafter Verlust der Selbständigkeit. Die Lösung:  Sitzerhöhung mit Keilkissen. Eigentlich ganz banal, doch man muss darauf kommen. Der Physio kam drauf. Und so besitze ich neu zwei Keilkissen.

Ich weiss, ist nur eine Uebergangslösung, jedoch im Moment bedeutet es weniger Abhängigkeit und mehr Selbständigkeit.


Kommentare:

  1. Liebe Sylvia

    Ich finde es bemerkenswert wie du mit deiner
    Krankheit umgehst und einfach das Beste daraus machst !
    Du bist eine sehr starke Frau und es ist wunderbar wenn
    du auch in der jetzigen Situation sagst :
    Das Leben ist schön und lebenswert !
    Trotz vielen Problemen lässt du dich nicht
    unterkriegen, Hut ab !

    Ich wünsche dir von Herzen noch viele wunderbare
    Momente und dass du noch ein Weilchen deine
    Selbständigkeit behalten kannst !

    Einen tollen Sonntag
    wünscht dir
    Margrit

    AntwortenLöschen
  2. Ja, liebe Sylvia, Du bist mit Deiner Krankheit gewachsen, hast sie angenommen und kommunizierst mit ihr. So ist es richtig, so wie Du es machst, Du schaffst so manche Hürde, du bist stark!!
    Ich wünsche Dir alles Liebe und das Du allen Widrigkeiten etwas entgegen zu setzen hast.
    herzlichst, Klärchen

    AntwortenLöschen