Sonntag, 22. Mai 2016

Krankheit und Beziehung

Vorgestern waren wir im ALS Care Training zum Thema "Pflege zu Hause".  Es war sehr informativ, jedoch auch viel.  Wir haben ein gutes  und umfangreiches Skript erhalten. Ich werde mich darin noch vertiefen.

"ALS beeinflusst jede Paarbeziehung" wage ich zu behaupten. Schon dadurch, dass die/der Betroffene immer abhängiger wird. Der nicht betroffene Partner kann von totaler Ueberforderung bis zur Ueberfürsorglichkeit reagieren. Nicht Wahrhaben wollen ist nicht selten. Auch auf Distanz gehen kommt vor. Da könnte frau ein Buch darüber füllen und das will  ich nicht.

Ich will mich auf einen Aspekt - aus meiner Sicht - in meiner Beziehung konzentrieren.

Wie ist es, wenn eines nicht mehr sprechen kann. Sehr ruhig.  Ich bin immer die Gesprächige gewesen.

Wir mussten einen Weg finden, uns quasi nochmals zusammenraufen. Am Anfang wurde ich auch wütend oder die Tränen flossen. Ich meine, wir haben es geschafft.

Was mir auffällt seit längerem, dass ich, wenn wieder mal "nörgele"  auf der Zunge liegt, ich mir überlege, will ich Energie brauchen, mich schriftlich zu melden oder lass ich es. Meistens gelingt es mir, es zu lassen. Ich bin gelassener geworden. So hab ich mehr Kapazität für Wichtiges und Alltägliches.

Das bedeutet weniger unnötige Reibung, dafür mehr emotionale Nähe.

Natürlich frage ich mich auch, warum dies vor der Krankheit nicht so möglich war. Aber eben, die, über Jahre eingespielten Muster laufen in Sekundenbruchteilen an.  Es braucht grosse Achtsamkeit, um diese zu verändern.

Oder eben durch die Krankheit.

Unsere Entwicklung hört erst mit dem letzten Atemzu auf.






Kommentare:

  1. Das glaube ich nicht :-) - ich glaube, dass unsere Entwicklung dann noch weiter geht! Aber das ist natürlich eine Glaubensfrage. --- Es ist ganz ohne Frage nicht nur für die erkrankte Person schwierig, mit der neuen Situation umzugehen, sondern auch für den Partner und andere Bezugspersonen. Wer das hin bekommt, vor dem habe ich allergrößten Respekt! Es ist bewundernswert, wie du mit deiner Krankheit umgehst - und das kann man wohl auch über deinen Mann sagen, so wie du ihn beschreibst. Ich kann mir vorstellen, dass das Band der Liebe nur noch fester wird, je mehr Probleme man bewältigt. Was du richtig gut machst - so empfinde ich es zumindest -, ist, dass du sehr ehrlich mit dir, deinem Mann und deiner Erkrankung umgehst. So machst du es dir und anderen einfacher. Es hat keinen Zweck, die Augen zu verschließen - aber es macht Sinn, das Beste aus allem zu machen! Dazu viel Kraft! LG Martina

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  2. War hier habe alles aufgenommen und melde mich wieder,
    bin heute selbst zu müde um zu antworten...
    Aber ein liebes Zeichen lasse ich hier auf bald,
    die Monika*

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  3. Liebe Sylvia

    Ich denke ,dass es wirklich sehr schwer ist für Beide
    von euch und ich finde es so grossartig wie du mit ALS
    umgehst und dabei noch gelassener geworden bist ,oftmals wird man durch einen Schicksalsschlag oder eben Krankheit gelassener und weiser ......du fragst warum nicht schon vor der Krankheit , weil du da mit deinem Beruf und anderem beschäftigt warst !
    Ich kann mir auch vorstellen, dass das Band der Liebe noch fester und inniger wird und man die Zeit welche man noch hat
    mit schönem Dingen des Alltags verbringst so wie du es machst,
    das Beste daraus machen !!!
    Du bist eine sehr starke Frau und ich wünsche dir noch
    viele wunderbare Momente und ganz viel Kraft !

    Ich denke die Entwicklung geht auch nach dem letzten Atemzug weiter, ich glaube fest an ein Leben nach dem Tod .Für mich gibt es eine göttliche Ebene und der Tod ist nichts Endgültiges, sondern die Geburt in ein anderes Leben !

    Ganz liebi Grüessli ond en schöne
    Wochestart
    wünscht dir
    Margrit



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  4. Liebe Sylvia, alles negative birgt auch Positives. Die beziehung muss man quasi umbauen und immer dran arbeiten. Das Du Dir überlegst schriftlich zu antworten,ist der Moment, wo man sonst loslegen würde.Du hast gelassenheit gelernt durch Deine Krankheit und sicher auch Geduld die man braucht.
    Ich finde Du gehst immer durch eien Prozess des lernend und die Krankheit zwingt Dich dazu. Manch einem gesunden fehlen alle diese Qualitäten, es täte ihnen aber gut. Darüber denke ich nun nach, weil du mich darauf gebracht hast, so lerne ich auch.Etwas kann ich alles nachvollziehen, ich bin Rheumatikerin, das aber nur am Rande.Mir geht es gut.
    Liebe Grüße, Klärchen

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