Sonntag, 3. Juli 2016

Tabu

Am Freitag waren wir im ALS Care Training zum Thema "Zeit zuletzt" . Ich bin sehr froh, dass wir teilgenommen haben. Es war interessant, informativ, berührend und wichtig.

Ich hätte mich gerne eingebracht, doch in einer grossen Gruppe ist das Tablet nicht so geeignet. Es hat mir jedoch Mut gemacht, einige Gedanken in diesem Post mitzuteilen.

Bis jetzt war es, aus meinen Erfahrungen in  Gruppen, ein Tabu. Dabei interessiert es mich sehr, wie andere mit einer finalen Erkrankung umgehen.

Im Moment zu leben und zu geniessen und mich beschäftigen mit meinem Tod, schliessen einander nicht aus. Im Gegenteil, ich bin "wacher" im Alltag für das Angenehme und Schöne, das das Leben beinhaltet.

Was ich erledigt habe, erleichtert mich und gibt Freiheit das Hier und Jetzt zu leben.

Wichtig war mir die Patientenverfügung, direkt nach der Diagnose und die Anmeldung bei Exit. Einen Erbvertrag haben wir schon vor einigen Jahren gemacht.
Bei unserer Bank haben wir, was vorzusehen ist geregelt. Die Adressen für die Todesanzeige habe ich beieinander.

Ich habe Peter gecoacht im Kochen. Mittlerweile braucht er meinen Rat immer
weniger. Da ich 40 Jahre lang die Finanzministerin in der Famile war, habe ich Peter dazu fit gemacht.

Es warten noch einige Dinge auf der "to-do-liste". Ich brauche den richtigen Zeitpunkt dafür.

Hier noch etwas aus dem vollen Leben:
Peter ging gestern einkaufen, ich war alleine zu Haus. Ich wollte die Zimmerpflanzen giessen. Dann, patsch, fällt mir das gut gefüllte Kännchen auf den Boden. Ein schöner See auf dem Laminat. Da ich nicht mehr in die Hocke kann, habe
ich kurz entschlossen Badetücher genommen, mit einem Fuss drauf, und so den Boden getrocknet. Dann langsam mit den nassen Socken (konnte sie nicht ausziehen) die Treppe runter und trockene Hausschuhe anziehen. Konnte dann so richtig über mich schmunzeln.

Kommentare:

  1. Liebe Sylvia, zu den Handtüchern fällt mir ein, man muss sich nur zu helfen wissen, da habe ich jetzt auch geschmunzelt.
    Ich hatte mal vor Jahren einen Rheumaschub, da habe ich meine Küche mit dem Fuß gewischt.
    Die Zeit ist wohl immer ein wichtiges Thema bei vielen Menschen, aber sicher besonders bei Dir. Ich habe mal ein Buch über die Zeit geschrieben mit kleinen Versen. In einer großen Gruppe mit dem Tablet, wird es nicht gehen, aber gut, dass Du Dich hier mitteilen und Deine Meinung dazu sagen kannst.
    Ganz liebe Grüße zu Dir aus dem Wetterwindischen Norden, es soll ja wärmer werden, herzlichst, Klärchen

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  2. Liebe Sylvia

    Ich finde es so gut, dass du und dein Mann
    alles geregelt habt und du dich auch auseinander setzt !
    Und dass dein Peter auch das kochen und das finanzielle
    auch alleine schafft ich finde das sehr wichtig, auch wenn
    ich nicht so krank bin wie du, habe ich meinem Mann schon
    vor der Pension das kochen beigebracht und in der Pension auch
    das finanzielle, ich habe das ja auch fast 40 J. gemacht ,heute kann er perfekt kochen, waschen und den Haushalt schmeissen, das einzig was er nicht macht ist bügeln lach :-)))
    Das gefällt ihm gar nicht und er sucht jedes mal das Weite !!!

    Auch ich beschäftige mich viel mit dem Tod ,nicht jeder wird
    80 oder 100 Jahre alt :-))
    Er gehört zum Leben und je älter ich werde um so mehr beschäftige ich mich damit und geniessen einfach den Moment im HIER und JETZT ganz bewusst !
    Und weisst du was, wenn ich auch ohne handycap mal was verschütte oder die Enkelkinder hole ich immer ein Badetuch ,das geht viel schnelle
    damit :-))

    Dann wünsche ich dir eine tolle Woche mit vielen
    schönen Momenten !
    Liebi Grüessli
    Margrit

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